Die Preisgestaltung ist mir nicht leicht gefallen - das gilt sowohl für meine gesamten Angebote als auch in Bezug auf die Kosten für Kinderbetreuung. Denn für mich gilt in erster Linie:

Arbeit, die aus Überzeugung und mit Herz geschieht, folgt dem Sinn - im Vordergrund steht der Wert des Gebens.

Gleichzeitig gehört dazu auch die Realität, dass diese Tätigkeit nicht kostenlos erfolgen kann und darf. Sie braucht eine bewusste Form der Wertschätzung.

Daher eine Einladung zur Reflexion:

Bewusst zu leben bedeutet, das eigene Leben nicht nur zu erleben, sondern aktiv zu gestalten. Dazu gehört auch, immer wieder innezuhalten und zu prüfen, welchen Wert Dinge und Leistungen, aber auch Entscheidungen oder Menschen für uns wirklich haben.

Kinderbetreuung und insbesondere pädagogische Arbeit werden häufig mit einer klassischen Dienstleistung verglichen. Tatsächlich gehen sie jedoch deutlich darüber hinaus: Sie betreffen das eigene Kind - mit all der Verantwortung für Entwicklung, Vertrauen, Sicherheit und Beziehung.

Eine verlässliche Beziehung bildet dabei die Grundlage, auf der Kinder sowohl Bindung erleben als auch Schritt für Schritt Autonomie entwickeln können.

Qualität des Rahmens

Häufig wird argumentiert, Kinder müssten sich früh an größere Gruppen gewöhnen, um später in der Schule gut zurechtzukommen. Diese Sorge ist verständlich - entscheidend ist jedoch nicht die Gruppengröße, sondern die Qualität des Rahmens.

In kleinen, verlässlichen Gruppen können Kinder über die klassische Sozialerfahrung hinaus wichtige Entwicklungsschritte machen:

  • echte Eigenverantwortung übernehmen
  • unabhängige Problemlösungsstrategien entwickeln
  • Rollen außerhalb der Familie ausprobieren
  • Vertrauen in andere Bezugspersonen aufbauen
  • Beziehungen ohne „Bindungsbonus" gestalten
  • Autoritäten jenseits der Eltern akzeptieren
  • Trennung als sichere Erfahrung erleben und abspeichern

Allgemeine Grundlagen und Sozialkompetenz entstehen somit nicht automatisch durch viele Kinder - sondern durch die Sicherheit aus der heraus Erfahrungen gemacht werden können sowie durch eine gute Begleitung.

Kinder entwickeln sich dort gesund und gut, wo sie sich gesehen und sicher fühlen.

Bindung und Autonomie

Aus bindungsorientierter Sicht zeigt sich, wie wichtig gerade in den frühen Lebensjahren stabile Bezugspersonen und ausreichend gemeinsame Zeit in der Familie sind. Stress, frühe Überforderung oder zu wenig sichere Bindung kann Entwicklung eher hemmen als fördern.

Das Loslassen fällt verständlicherweise oft schwer.
Wenn jedoch zu stark geklammert wird, kann das Kind unbewusst in eine überfordernde Rolle geraten, in der es die emotionalen Bedürfnisse der Eltern/Erziehungsberechtigten mitträgt. Es entsteht eine Form von Abhängigkeit statt echter Bindung.

Für eine gesunde Entwicklung brauchen Kinder beides: Bindung und Autonomie.

Um diese Autonomie zu entfalten, braucht es neben der vertrauten Basis zu Hause ab einem gewissen Alter - das ist individuell zwischen 2 und 3 Jahren - auch den Raum für Erfahrungen mit Gleichaltrigen und ohne Eltern.

Fragen, die gesellschaftlich bewusster betrachtet werden dürfen - und die du dir auch persönlich stellen kannst:

  • Welche Bedeutung haben Bindung, Beziehung und gemeinsame Zeit in der Kindheit?
  • Welchen Stellenwert hat die Qualität von Betreuung und Förderung?
  • Wie möchten wir Betreuung und pädagogische Förderung für unser Kind gestalten?
  • Wie viel Zeit in der Fremdbetreuung ist für das Kind im individuellen Fall wirklich stimmig?

...und letztlich wieder zur Preisgestaltung:

  • Welchen Wert messen wir guter Kinderbetreuung bei?
  • Welchen Wert messen wir guter pädagogischer Arbeit bei?

(Dies lässt sich grundsätzlich auf alle sozialen Bereiche und viele Bereiche darüber hinaus übertragen.)